Vorstand, bleib bei deinem Leisten
Die frühere Metallgesellschaft, heute mg technologies, ist in jüngster Zeit wieder verstärkt in die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse geraten. Grund ist die Auseinandersetzung zwischen dem mittlerweile geschassten Vorstandsvorsitzenden Udo Stark und dem Aufsichtsratsmitglied Otto Happel, der mit rund 20 Prozent zugleich größter Einzelaktionär von mg technologies ist. Im Zentrum der Kontroverse steht die Klage des Vorstands über eine angebliche Einmischung Happels in die Geschäftsführung der Gesellschaft. Die Reaktion von Stark kam prompt. In einer extra einberufenen Aufsichtsratssitzung sollte die Abberufung Happels aus dem Kontrollgremium beschlossen werden. Dieser Plan schlug fehl.
Klar ist: Der Vorstand führt die Geschäfte der Gesellschaft; der Aufsichtsrat hat ihn dabei nur zu überwachen. An dieser Aufgabenteilung hat auch die aktuelle Corporate Governance Dis-kussion nichts geändert. Verändert haben sich allerdings die Erwartungen an die Überwachungstätigkeit der Aufsichtsräte, denen heute eine wesentlich aktivere Rolle abverlangt wird. Vor diesem Hintergrund verstößt das Begehren des Ex-Vorstands der mg, das Kontrollgremium zu zwingen, ein missliebiges Mitglied abberufen zu lassen, eklatant gegen den Grundgedanken des Kodex. Dass dies nicht ohne weiteres gelungen ist, ist das erfreuliche Ergebnis einer ansonsten unerfreulichen Auseinandersetzung.
Dass, nur etwas mehr als einem Jahr nach dem mit rund 13 Millionen Euro vergoldeten Ausscheiden von Kajo Neukirchen, wieder zweistellige Millionenbeträge als Abfindung kolportiert werden, ist zudem ein absolut falsches Signal in der aktuellen Diskussion über Vorstandsbezüge. Es wirft auch ein kritisches Licht auf die hierzulande übliche Bestellungsdauer für Vorstände von fünf Jahren. Dies kann – wie sich zeigt – ein Unternehmen teuer zu stehen kommen.
Ulrich Hocker

