Überregulierung nützt niemandem

Der Bundesfinanzminister war von Anfang an offen: Banken, die Staatsgelder nehmen, müssen ein staatliches Mitspracherecht in Kauf nehmen. Die Kreditvergabepraxis und Strategie der Unternehmen ebenso wie die Gewinnverwendung und die Beschränkung der Managerbezüge auf 500.000 Euro - all das will Steinbrück zukünftig kontrollieren. Dies ist auch sein gutes Recht, und zwar so lange, wie staatliche Gelder in den Unternehmen stecken.

Doch die Debatte ufert aus. Mittlerweile diskutieren wir darüber, ob Erfolgsanreize für Lenker von Industriekonzernen noch statthaft sind. Dies geht entschieden zu weit. Denn die Unternehmen haben in den letzten Jahren enorme Erfolge verbucht. Dafür haben Manager ebenso wie alle Mitarbeiter eine angemessene  Entlohnung verdient. Man darf darüber streiten, wie hoch Boni sein dürfen, doch  darf sie nicht grundsätzlich in Frage stellen.

Ebenso falsch ist eine staatliche Einmischung in diesem Bereich. Denn die AGs, um die es geht, sind rein private Unternehmen. Aktionäre als Eigentümer setzen hier ihr Erspartes als Risikokapital ein. Es muss ureigenstes Vorrecht dieser Anteilseigner bleiben, die Bezüge der Manager kritisch hinterfragen und die Aufsichtsräte als Gremium der Anteilseigner den Manager stärker auf die Finger schauen. Eine staatliche Deckelung wäre eine Überregulierung, die niemandem nützt. Als Ausweg zu mehr Akzeptanz der Boni bietet sich an, die HV über die Angemessenheit der Bezüge beschließen zu lassen.

Ulrich Hocker