Sanfte Kontrolle für Hedgefonds
Über kaum eine Investmentklasse wird so kontrovers diskutiert wie über Hedgefonds. Während die einen von „stabilisierender Wirkung für die Kapitalmärkte“ sprechen, sehen die anderen „unkalkulierbare Risiken“. Beide Seiten haben teilweise Recht. Hedgefonds sorgen gerade in schwierigen Situationen für Liquidität und helfen zudem bei der Aufdeckung und Beseitigung von Marktungleichgewichten. Einige machen aber auch hochspekulative, kreditfinanzierte Geschäfte, die im Falle des Scheiterns nicht nur den Hedgefonds in die Tiefe reißen, sondern die beteiligten Banken gleich mit. Eine Kettenreaktion mit ungeahnten Ausmaßen für die Finanzwelt wäre die Folge. Einen Vorgeschmack auf solch einen Crash hat kürzlich der Fonds „Amaranth Advisors“ geboten, der in großem Stil Wetten auf die Entwicklung des Erdgaspreises abgeschlossen hatte und deutlich danebenlag. Binnen weniger Tage wurden 5 Milliarden Dollar versenkt. Möglich werden solche Szenarien erst durch die Intransparenz der Fonds. Kein Wunder also, dass die führenden Industrienationen sich im Grunde darüber einig sind, dass mehr Offenheit dringend notwendig ist. Wie dies zu erreichen ist, ist allerdings umstritten. Die Vorschläge reichen von einer freiwilligen Selbstkontrolle bis zum gesetzlichen Zwang zur Offenlegung von Anlagestrategien. Beides wird wohl nicht den gewünschten Effekt erzielen. Der Zwang zur Transparenz wäre das Ende der Geschäftsidee, die Freiwilligkeit wird kaum genug Anhänger finden. Eine gangbare Lösung wäre ein Rating. Interne Daten müssten dann nur den Ratingagenturen gegenüber offengelegt werden. Selbst wenn nicht alle Hedgefonds bereit wären, in den sauren Apfel zu beißen, bliebe die Möglichkeit, den deutschen Banken vorzuschreiben, nur Fonds zu finanzieren, die ein Rating haben.
Ulrich Hocker

