Neue Handelsplätze müssen transparent bleiben
Die EU-Kommission hat mit ihrer neuen Finanzmarktrichtlinie MiFid das Tor zur Neuordnung der europäischen Börsenplätze aufgestoßen. Weil durch MiFid die noch bestehenden Handelsmonopole der Börsen abgeschafft werden, entstehen überall in der Union neue Aktienhandelsplattformen, die das Zeug haben, den etablierten Märkten ernsthaft Konkurrenz zu machen.
Diese alternativen Handelssysteme haben oft so exotische Namen wie „Turquoise“ oder „Chi-X“ und werden von großen Banken oder Finanzdienstleistern betrieben. Anders als an den Präsenzbörsen handeln hier nicht mehrere Marktteilnehmer nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Vielmehr werden bei diesen außerbörs-lichen Plattformen die Handelsaufträge intern miteinder abgeglichen. Allen neuen Plattformen gemeinsam ist das Versprechen, Orders schnellstmöglich auszuführen und beste Preise zu garantieren. Damit wollen die Alternativsysteme genau das erfüllen, was MiFid unter dem Stichwort „Best Execution“, also bestmögliche Ausführung für Anleger, fordert.
Es wird sich zeigen müssen, ob die neuen Systeme tatsächlich besser arbeiten als die bestehenden Börsen. Nur eines darf nicht passieren: Die Transparenz des Handels, die an den Präsenzmärkten durch die dreigeteilte Aufsicht aus Handelsüberwachungsstelle, Landesbehörden und der BaFin sichergestellt wird, muss auch für neue Systeme gelten. Denn was nützt der vermeintlich beste Preis, wenn er nicht verifizierbar ist?
Ulrich Hocker

