Deutsche Bank auf dem Übernahmekarussell

Das Rennen hat begonnen.  2004 wird das Jahr der Übernahmen. Erster Streich war der Kauf des Braukonzerns Holsten durch die dänische Brauereigruppe Carlsberg. Holsten wird zerschlagen. Die Pilsmarken „König“ und „Licher“ sollen an die Bitburger-Gruppe gehen. Auch das Mineralwasser-Geschäft wird wohl nicht im Unternehmen bleiben.

Die Vorbereitungen für weitere Übernahmen, auch unfreundliche, laufen auf Hochtouren. Deutschland bietet hierfür den idealen Nährboden. Die Aktienkurse sind zwar schon gestiegen, die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind bei vielen Unternehmen aber nach wie vor moderat. Etliche Gesellschaften haben die schlechten Zeiten genutzt, dringend notwendige Umstrukturierungen vorzunehmen und die Kosten deutlich nach unten zu fahren. Bei anspringender Konjunktur und verbesserter Auftragslage werden die Gewinne dieser Unternehmen überproportional steigen. 

Besonders im Fokus sind die Banken. Gerade aus den USA werden immer wieder begehrliche Blicke nach Deutschland geworfen. Mehrere US-Geldhäuser erkundigten sich bereits bei der Bundesregierung, ob diese versuchen würde, die Übernahme einer deutschen Bank zu verhindern. Die Antwort lautete: Nein.

Besonders aktiv ist der Präsident der Citigroup, Sandy Weill. Ein mögliches Ziel seiner Übernahmeträume könnte die Deutsche Bank sein. Und die Konstellation ist kaum günstiger vorstellbar: Das Unternehmen ist geschwächt. Der Vorstandschef sitzt zwei Tage die Woche in Düsseldorf vor Gericht. Einen adäquaten Ersatz hat die Vorstandsetage des größten deutschen Kreditinstituts nicht zu bieten. Hinzu kommt, dass 6 Prozent der Aktien in den Händen von Investmentbankern liegen, deren Treue zum Unternehmen begrenzt ist, obwohl sie dort angestellt sind. Hier könnte der Wunsch, sich diesen Anteil vergolden zu lassen, übermächtig werden.

Ulrich Hocker