Aktionäre sollen mal wieder zahlen

Der Berg kreiste und gebar eine Maus. Auf diese Formel lässt sich das Ergebnis des groß angekündigten und von enormem Medienrummel begleiteten Job-Gipfels zwischen Regierung und Opposition reduzieren. Das anvisierte Ziel, in Deutschland für mehr Arbeitsplätze zu sorgen, wird mit den erzielten Ergebnissen wohl kaum gelingen. Statt wirklicher Reformen gab es ein paar Beruhigungspillen für die Wirtschaft und das erneute Versprechen, nicht nachzulassen bei der Suche nach Lösungen.

Trotzdem könnte aus dieser Maus für einige eine echte Kröte werden, die zu schlucken alles andere als angenehm wird. Schließlich müssen Steuersenkungen auch finanziert werden. Und da es sehr viel einfacher ist, Einnahmen zu erhöhen als Ausgaben zu kürzen, ist man auf die Idee verfallen, die Aktionäre zu belasten. Mit ihrem Opfer sollen die Anteilseigner die geplante Senkung der Körperschaftssteuer von 25 auf 19 Prozent bezahlen. Statt wie bisher die Hälfte ihrer Dividenden mit dem jeweiligen persönlichen Steuersatz versteuern zu müssen, sollen demnächst 60 Prozent der Gewinnausschüttungen dem Zugriff des Fiskus unterliegen.

Zwar dürfte die Reduzierung der Körperschaftssteuer die Gewinne der Unternehmen erhöhen. Schätzungen gehen bei den DAX30-Gesellschaften von einem Plus um 3,6 Prozent oder 1,8 Milliarden Euro aus. Doch es ist mehr als fraglich, ob dies komplett an die Aktionäre in Form höherer Dividenden weitergegeben wird. Damit werden es die privaten Investoren sein, die die Zeche zahlen. Dies passt so gar nicht zu den Bemühungen der Regierung, den Bürgern die Geldanlage in Aktien als wichtigen Anteil einer privat finanzierten Altersvorsorge schmackhaft zu machen.

Leider wurde mit dem Kompromiss erneut die Chance vertan, die Besteuerung von Kapitalerträgen endlich mit der Einführung einer Abgeltungssteuer fair und transparent zu regeln.

Ulrich Hocker